"Dolci affetti" - Arien aus Demofoonte
Album-Produktion 2017/2018


An ye harm none, do as ye will.
(dt.: 'Solange du niemandem schadest, tue, was du willst.')
Alte Weisheit



Blog



Sorry Lasagne, wir haben da was.
Februar 2016

Draußen regnet es Bindfäden vor einer Kulisse von diversen demotivierenden Grautönen.
Drinnen steht trotzdem ein liebevoll gedeckter Tisch, darauf eine dampfende Lasagne und daneben eine gute Flasche Wein.

Ein Zimmer weiter hocken Christine Lauter, Michael Preiser und ich. Christine am Wohnzimmertisch, Michael drei Meter weiter auf dem Boden, und ich vor der Heizung.
Nein, wir haben keinen Streit! Unsere "archäologische" Ader hat einfach mal wieder eine Partie Schnick-Schnack-Schnuck gegen das "Fernsehabend-Gen" gewonnen, und so sind wir vertieft in verschwommene Handschriften von alten Kompositionen.

Als der Küchenchef, alias Christines Mann Christoph, uns zum dritten mal zum Essen ruft (...behauptet er...wir drei haben davon nichts mitgekriegt...), murmelt Christine irgendwas, was dann nahtlos in eine gesummte Kadenz übergeht. Christoph kommt herein, Christine sieht auf und wiederholt "Echt jetzt. Ich glaub, wir haben da was...".
Einen Moment lang steht Christoph da mit erstauntem Blick, dann stellt er die Lasagne wieder warm und gesellt sich zu uns.
Danke Christoph. Sorry Lasagne.



"Ein Jüngling liebt ein Mädchen...

...die hat einen Andern erwählt; der Andre liebt eine Andre und hat sich mit dieser vermählt. (...)"

Die Ehe ist aber nicht standesgemäß und also wird sie, samt Kind, verheimlicht - was das Mädchen so in Rage bringt, dass es den Jüngling auffordert, dessen eigenen Bruder zu töten - kurz bevor plötzlich ein Brief auftaucht, aus dem hervorgeht, dass es gar nicht sein Bruder ist.
Inzwischen hat sich aber der König erzürnt und den und die "Andere" kurzerhand gemeinsam zum Tode verurteilt.

Alles klar? Im besten Sinne des Wortes: Nein!

Das dachte sich vor knapp 300 Jahren auch schon der italienische Librettistenfürst Pietro Metastasio und verfasste ein packendes Plädoyer für mehr Menschlichkeit und gegen Grausamkeit als nicht hinterfragte Antwort auf die Verletzung sogenannter Ehrgefühle. Das Libretto heißt 'Demofoonte' und war im 18. Jahrhundert so beliebt, dass es über 70 mal vertont worden ist, von einigen Komponisten sogar gleich zwei oder drei mal.

Metastasios Sprache ist unglaublich dicht, hoch poetisch und zugleich von ganz großer Klarheit. Diese Kombination ist bestechend schön und sehr fesselnd.
So überrascht es uns nicht, zu lesen, dass noch etliche Komponisten mehr als die 70, deren Opern verzeichnet sind, irgendwann einfach angefangen haben, einzelne seiner Arientexte zu vertonen. Sie vermachten diese sogenannten "Koffer-Arien" berühmten Sängern, die dann jeweils mit ihrer persönlichen Arie "im Gepäck" zur nächsten Opernproduktion anreisten und kurzerhand mitteilten, dass sie ihre Arie an geeigneter Stelle singen würden - ganz gleich, welche Oper gerade gespielt wurde.
Auf zwei genau solcher Arien sind wir gestoßen. Die Komponisten sind durchaus namhaft, und die Arien sind traumhaft schön, aber bis dato vollkommen unbekannt.

Etwa drei Stunden später wissen wir, dass noch rund 60% der Demofoonte-Vertonungen erhalten sind und, dass sie größtenteils in Europa und den USA aufbewahrt werden.
Drei Mann (Frau...), ein Gedanke: Wir kommeeeeeeeen!!!!!!! :-)

Weitere zwei Stunden, eine (top!) Lasagne und diverse Gläser Wein später tauft Christine das Projekt in Anlehnung an unser letztes Album "Stella cadente". Haha.
Der Arbeitstitel ändert sich dann in nüchternem Zustand schnell wieder. Aber was bleibt, ist das glückliche Gefühl, dass wir diesen heutigen Fund einer wahren Sternstunde zu verdanken haben.

So beginnt eine neue Reise. :-)



Post aus Thracien
Juli 2016

Vor mir steht ein großer Turm Papier. Darauf trohnt meine Katze. Also: Wichtig.
Es sind all die Arien, die Christine auftreiben konnte, fast 200 an der Zahl. Während sie die letzten Monate mit telefonieren, mailen und dem Besuchenfahren etlicher Bibliotheken und Archive verbracht hat, habe ich eine kleine empirische Studie über das Beantworten von Notenanfragen erstellt:

Antwortkategorie 1: Noten, Grüße und Gummibärchen.
In knapp 10% der Fälle reicht eine einzige mail und binnen einer Woche bekommt man einen Stapel Kopien mit der Post. Auf dem beigelegten Kärtchen stehen Grüße und couragierende Wünsche für das Projekt, und: Im Umschlag liegt eines von diesen kleinen Tütchen mit Gummibärchen. Super Bibliotheken! :-)

Antwortkategorie 2: Noten und Grüße.
In etwa 80% der Fälle bekommt man eine kurze Antwortmail oder einen Rückruf, und innerhalb einer Spanne von sechs Wochen bis sechs Monaten bekommt man dann Post.
Wenn man Glück hat, kommen die Noten per Scan oder Hauspost. Wenn der Umschlag kleiner ist als A4, ist es allerdings zumeist ein Mikrofiche oder Mikrofilm... Die Auslese-Geräte dafür sind inzwischen rar, aber in Köln kommen wir noch an eines heran.

Antwortkategorie 3: Keine Noten, aber Grüße.
In etwa 8% der Fälle sind die Noten falsch gelistet, versehentlich verlegt oder aus sonstigen Gründen nicht mehr auffindbar oder nicht mehr lesbar... Das ist Pech.

Antwortkategorie 4: Keine Noten, Minusgummibärchen.
Tja... und in vereinzelten Fällen bekommt man Antworten der besonderen Art... Ganz vorne diese: "Wir bedauern, Ihnen keinen Einblick in die gewünschten Faksimiles gewähren zu können. (...) Wir archivieren dieses Kulturgut zu seinem Erhalt und bitten Sie um Verständnis, dass wir es von daher der Öffentlichkeit nicht zugänglich machen möchten."
Diese Absage schicke ich dem Herrn wieder zurück, und dem Umschlag lege ich ein kleines Tütchen Gummibärchen bei. Vielleicht hat er davon bisher einfach zu wenige bekommen...

Aber neben allen musikalischen Fragen (und neben den Gummibärchen...) beschäftigt mich der Plot. Seit wir ihn entdeckt haben, will er mich einfach nicht mehr loslassen.
Neugierig lese ich den zu Grunde liegenden Mythos nach... Er hat nur rudimentär mit dem Libretto zu tun und verfolgt die archaische Moral "Auf Böses folgt Böses - seht her und seid brav!".
... und Metastasio? Der stellt hier die Botschaft auf den Kopf. Anstatt wie bisher üblich die Figuren in "gut" und "böse" zu unterscheiden, zeichnet er vier Hauptcharaktere mit zunächst unterschiedlich weitem Horizont - in der Konsequenz ihrer Handlungen aber sind sie alle vier edelmütig. So verfasst er ein Libretto, in dem alle Protagonisten gemeinsam für die gleiche Botschaft stehen: "Auf Gutes folgt Gutes - seht her und seid menschlich statt brav".
Das erklärt mir auch, wie die Arientexte so gut in "Koffer-Arien" umfunktioniert werden konnten.
Ich bin so gespannt auf die Vertonungen...



Nur noch die Arien, die im Regal liegen!
August 2016

Michael und mir raucht der Kopf. Noten ausbuddeln ist wie shoppen am letzten Tag von einem Schlussverkauf: Die Läden sind noch voll! Aber die Frage ist, womit...
Wir haben eine große Liste angefertigt, aber so langsam verschwimmen die Hör-Erinnerungen trotzdem und die Stücke beginnen sich in unseren Köpfen zu vermischen und weiterzukomponieren.

Am meisten Unbehagen bereitet mir aber nicht die Konzentration oder die allmählich einsetzende Erschöpfung, sondern der Disput von zwei kontrahierenden inneren Stimmen: Die eine schreit schon längst euphorisch "Hurra!", verschenkt ihr Herz an die ein- oder andere Arie und malt sich Realisierungsideen für unser Projekt aus, die andere sitzt stoisch da und mahnt "Freu dich nicht zu früh, erst mal müssen da 60 Minuten richtig gute Musik bei sein, und zwar in deiner Tessitur".
In diesem Punkt hat die zweite Stimme Recht... Auch wenn sie nervt. Und so buddeln wir uns weiter durch unsere Stapel und notieren unsere Gedanken auf der Liste.

Eine Arie trägt in der Spalte "Anmerkungen" den Vermerk "harmonisch interessant genug?". Wir spielen sie nochmal an, aber noch bevor wir dazu kommen, irgendetwas zu befinden, gibt meine Katze uns zu verstehen, dass uns die Antwort doch hoffentlich klar sein dürfte, s.Bild. :-)
Stimme Nummer zwei (ich habe sie inzwischen Agathe getauft) schreit "Siehste, siehste, das ist langweilig!!" Und Stimme Nummer eins (sie heißt inzwischen Franziska) antwortet "1:199. Geh nach Hause, Agathe!".

Mit dem Abwägen und Kombinieren sind wir noch ein paar Wochen beschäftigt. Aber es zeichnet sich immer deutlicher ab: Ja, das wird was werden! In Christines Stapel finden sich wahre Juwelen!
"Franziska" singt immer lauter "Schalalalala" während "Agathe" inzwischen nur noch pessimistisch vor sich hin grummelt...
Als ich an diesem Abend meine Spaghetti abgieße, fällt mein Blick in den Topf... und in mir fällt endgültig die Entscheidung, "Franziska" zu vertrauen, "Agathe" nach Hause zu schicken und das Projekt zu realisieren.



Es wird eine CD mit Seele!
Februar 2017

Juhu, es geht los!!! :-)

Wir haben uns für acht Arien von acht unterschiedlichen Komponisten entschieden. Eine Arie werden wir nur als Fragment einspielen können, denn der B-Teil ist verschollen, aber das Reizitativ und der A-Teil sind so sublim, dass klar war: Die Arie kommt mit!

Concerto con Anima ist das Orchester, das sich mit Christine, Michael und mir auf die Reise nach Thracien machen wird.
Im ZAMUS lerne ich Ingeborg Scheerer kennen und bin sofort begeistert von ihr. Von diesem Moment an ist mir auch klar: Der Name dieses Orchesters ist kein Zufall. Das wird eine CD mit Seele!

Michael beginnt mit dem Edieren der alten Handschriften. Vor ihm liegen gut 150 Stunden Arbeit, viiiiel Kaffee und wenig Schlaf.
Ich selbst pendle inzwischen zum Unterricht zwischen Berlin und Bayern. Die Wege sind natürlich weit und die Fahrten lang, aber umsomehr sind meine Unterrichts-Tage und -Wochenenden für mich zu einer regelmäßigen "Auszeit" geworden, die ich in vollen Zügen genieße......vorausgesetzt, die "vollen Züge" verstehen sich nicht allzu wörtlich ;-)
Als Italienisch-Coach steht mir wieder Bruno Balmelli zur Seite und hilft mir mit den Übersetzungen und der Aussprache der alten Arientexte.
Aufnehmen werden uns Manfred Dahlhaus und Uli Holst, im Schumann-Saal in Düsseldorf, und veröffentlichen werden wir 2018 als SACD bei ARS Produktion. :-)



Die Aufnahmen
Juli 2017

Der Juli wird für mich zum großen Aufnahme-Monat. In der ersten Woche singe ich zum ersten mal beim Bayerischen Rundfunk. Es ist nur eine kleine Partie, aber es ist mein erstes mal im Süden. Entsprechend stehe ich mit riesengroßen Augen vor der Mikrofonierung. Zum Glück bringt mich der ur-bayerische Tonmeister schon bald unfreiwillig zum Lachen, spätestens mit der Ansage "Ay, ßoproan, doa oafm oa verstehma koa Text mehr." Einmal durchatmen... Alles gut. Das Projekt wird schön... :-)

Erleichtert, ein bisschen erschöpft, aber schon in merklicher Vorspannung komme ich dann in der zweiten Juli-Woche nach Hause.
Während draußen endlich der Sommer einzieht, verbringe ich die meiste Zeit vor meinem auf 430 Hz "getuneten" E-Piano.
Nur noch ein paar Tage, dann geht es los... Alle, die einen Daumen frei haben, mögen ihn uns bitte JETZT ganz fest drücken und nicht vor Samstag, 29. abends, wieder loslassen!



Streicherprobenwochenende
Samstag 22.07.

Boah, so ein Anfängerfehler...!
Da hab ich mich so gut vorbereitet! Und mir so viele Gedanken gemacht! Und mich dann nach reiflichster Überlegug für ein schwarzes Oberteil entschieden... - und dann erst nach dem Anziehen Zähne geputzt.....
Merke: Es gibt Situationen als Berufsmusiker, da muss man einfach einen Plan B in der Tasche haben und gute Nerven beweisen. Also mache ich mich in Klamotte B auf den Weg ins ZAMUS.
Als ich in Köln von der Autobahn herunter fahre, merke ich, dass die Nervosität längst der Vorfreude und Neugierde gewichen ist.

Vor Ort treffe ich auf eine gut gelaunte Truppe herzlicher Kollegen und wir legen los mit Arie Nummer eins. In diesem Ensemble ist eine so große gemeinsame Liebe zur Musik spürbar, wie ich es selten erlebt habe. Motor allen Probens ist der feste Wille, jedes Stück im ersten Schritt wirklich zu verstehen und die Musik an sich heran zu lassen, um dann im zweiten Schritt einen Weg zu suchen, sie gemeinsam mit klarer Aussage zu transportieren. Wenn es hier irgendwas nicht gibt, dann Beliebigkeit. Was für eine Wohltat!
So respektvoll wie der Umgang mit der Kunst ist, so respektvoll ist hier auch der Umgang untereinander. Es ist ein Orchester, das immer mit offenen Karten spielt, im Vertrauen darein, dass jeder genug Fingerspitzengefühl hat, wenn die Meinungen oder Empfindungen auseinander gehen.

In der Pause spreche ich Inge Scheerer begeistert darauf an, und in ihrer herrlich beherzten Art bringt sie auf den Punkt: "Na klar, wir wollen doch das Beste rausholen, alles andere ist doch Lebenszeitverschwendung! Stinkstiefel spielen bei uns genau zwei mal, nämlich das erste und das letzte mal - und zwar gleichzeitig!". Inge ist ein strahlend positiver Freigeist mit Herz und Hirn, großem Ernst und augenzwinkerndem Humor und der gleichen Leidenschaft für Kuchen wie ich :-) Super. Ich fühl mich pudelwohl.

Die Energie, die wir gar nicht erst fürs Eisbrechen verlieren müssen, fließt in die Konzentration auf die vielen kleinen Details, die das große Bild nachher ausmachen.
So beginnt ein Probenwochenende, das alle Lichter auf "grün" setzt für eine wunderbare Aufnahmewoche. Mit einer Ausnahme: Das Aufnahmelicht bleibt natürlich rot!



Montag 24.07.

Es ist sechs Uhr, ich stehe am Fenster und schaue etwas sorgenvoll hinaus. Draußen fallen ganze Sturzbäche vom Himmel, und es blitzt und donnert.
Liebes Wetter: Der Regen ist voll in Ordnung, immerhin ist ja unser Projekt bei genau diesem Wetter geboren. Aber wäre es irgend möglich, dass du mit dem Donnern und Blitzen bald mal aufhörst? Denn solange du dich austobst, können wir nicht anfangen mit aufnehmen... Keine Antwort... Ich atme einmal tief durch und dann gehe ich erst mal meditieren und mich ganz in Ruhe einsingen und fertig machen.

Vier Stunden später betrete ich den Düsseldorfer Museum-Kunstpalast. Voller Vorfreude laufe ich in den Schumann-Saal und direkt bis durch auf die Bühne.
Die ist schon eingerichtet, denn unsere Tonmeister sind extra in aller Frühe schon zum Aufbau angereist. Als ich vor meinem Notenständer stehe, macht es "klick" ich strahle bis über beide Ohren und mit einem Schlag bestehe ich gefühlt nur noch aus Stimmbändern und Endorphinen. :-)

...gegenüber macht es plötzlich "knack". Ich drehe mich um und sehe, wie unser Tonmeister Uli Holst mit einem kleinen grünen Etwas in der Hand von Mikro zu Mikro läuft. Nein, das ist keiner von Ulis beliebten Späßen, sondern es ist ein Knackfrosch und er misst anhand des Knackens, wie lange der Schall von einem Mikro zum nächsten braucht. Ahhhh...! Als er mir wenig später einen Stecker in die Hand drückt und sagt "Kannst du den bitte während der Aufnahme halten? Du darfst dich aber nicht bewegen." dauert meine Reaktion eine halbe Sekunde zu lange und Uli hüpft laut lachend von einem Bein aufs andere. Alles klar... Das wird ne heitere Woche...!

Nach und nach kommen die Musiker. Als erster kommt Harald Hoeren mit seinem eigenen Hammerflügel, den wir mit vereinten Kräften auf die Bühne hieven.
Um elf gehts los. Michael Preiser geht mit uns Musikern in die Detailprobe, während die Tonmeister das Klangbild einrichten. Nachmittags machen wir die ersten Probe-Aufnahmen zwischen dem Gewitter hindurch.
Um sieben Uhr ist Feierabend. Der Aufnahmeplan für die Woche steht fest. Wir haben gut geprobt - die Aufnahmen können kommen. Liebes Wetter: Bitte !!!



Dienstag 25.07.

Juhu, ich wurde erhört!! Donner und Blitz sind weitergezogen. Es regnet zwar noch, aber da der Schumann-Saal unterirdisch liegt, sind wir vor Regengeräuschen sicher. Ich bin so froh!!

Als ich heute in den Saal komme, ist von Aufregung nichts zu merken, ich freue mich einfach nur riesig auf unsere erste Aufnahme. Michael Preiser frischt zum "Warmup" nochmal ein paar wichtige Stellen mit dem Orchester auf, und dann gehts los.
Unsere Aufnahmen leitet Manfred Dahlhaus. Er wünscht uns "Gute Reise!" und das rote Licht leuchtet auf. Das Orchester beginnt zu spielen und ich schließe für einen Moment die Augen. Als ich sie wieder öffne, fällt mein Blick direkt auf das Etikett von einem Stuhl in der ersten Reihe. Er hat die Nummer 8... Alles in mir strahlt, denn das ist meine Glückszahl, und ich weiß: Es kann nur gut werden.
100 Minuten später haben wir eine wunderschöne erste Arie im Kasten. Der Start ist geglückt!

In die Mittagspause gehe ich dann mit ein paar Kollegen und Susi. Susi ist eine App, die das vorliest, was ich tippe, denn damit meine Stimme die Woche gut durchhält und sich auch wohlfühlt, verbringe ich meine Mittage und Abende konsequent schweigend.

Nachmittags produzieren wir die zweite Arie. Es ist eine Koloratur-Arie und ich bin voll in meinem Element :-) Nach 90 Minuten ist auch Arie Nummer zwei im Kasten. Danach bekommen wir Verstärkung von den Bläsern und es beginnt die Probe für morgen. Um 19 Uhr ist Feierabend.
Zu Hause angekommen, schaltet mein Gehirn in eine Art "Stromsparmodus" und ich kann gerade noch zwei Dinge: Erstens: Malzbier aus dem Kühlschrank holen. Zweitens: Den festen Vorsatz fassen, dass ich auf diesen gelungenen Start hin morgen nicht nachlassen werde, sondern ein kleines Schippchen drauflegen möchte :-)



Mittwoch 26.07.

Der Stromsparmodus hält an und ich brauche ziemlich lange, um in der Meditation morgens meine Konzentration zu finden.
Zwei Stunden später hört mit einem Schlag der Dauerregen der letzten Tage auf. Es musste so kommen: Denn heute machen wir Mozaaart! :-) Wir haben eine seiner Konzertarien mit den Ausbuddelungen kombiniert.
Mit der Sonne am Himmel und im Bauch gehe ich also in meine dritte Aufnahme und genieße sie in vollen Zügen. Es läuft gut :)

Mit Beginn der Mittagspause bin ich sofort wieder im Stromsparmodus. Auf dem Weg ins Restaurant laufe ich gegen einen Busch (ich sollte geradeaus die Straße runter gehen, selbständig Hindernissen ausweichen war nicht dazu gesagt...), im Restaurant liest mein Gehirn, dass es "Auberginen mit Mozart" überbacken gibt und ich wundere mich auch gar nicht darüber. Zurück in der Garderobe steht auf meinen Keksen eindeutig "Knackfroschgarantie"...
...und um zehn vor vier macht es "klick" und ich bin wieder voll da.

Die zweite Arie für heute hat einen ganz anderen Charakter. Michael Preiser frischt die erarbeitete Interpretation wieder kurz auf und die Aufnahme läuft prima. Wir haben es fast geschafft, es fehlt nur noch ein kleiner Mittelteil, als wir allmählich alle etwas nachlassen. Also beschließen wir, den Teil lieber nach einer kleinen Pause zu machen.
Ich rechne mit nicht viel...aber Manfred Dahlhaus: Er scheint etwas herauszuhören, das er aus mir herauszukitzeln versucht. ...und es gelingt. Wir beenden die Aufnahme mit einem Durchlauf des gesamten Stückes - und mir wachsen Flügel. Im Orchesternachspiel laufen mir ein paar Tränen über die Wangen, vor Glück...und Rührung. Auf diese Arie freue ich mich jetzt schon :-)

Zurück zu Hause macht mein Gehirn das gleiche wie gestern und wie heute mittag: Stromsparmodus. Mit meinem Malzbier in der Hand beschließe ich: Nach so einem gelungenen zweiten Tag jetzt nur nicht nachlassen.
Also: Morgen noch ein Schippchen drauf. Deal. Dann zieht mein Gehirn den Stecker.



Donnerstag 27.07.

Ich bin seit vier Uhr schon wach...und langsam bekomme ich echt Muskelkater in den Beinen und im Bauch...
...und ich möchte mich gerne weiter mit derlei Ausreden blenden, aber wenn ich ehrlich zu mir selber bin, weiß ich ganz genau, dass weder das eine noch das andere der Grund dafür ist, dass ich mich heute morgen etwas knieweiche fühle.
Nein: Heute steht eine Arie auf dem Plan, die mir so unter die Haut geht, dass es mich eine immense seelische Kraft kostet, sie zu singen.
Als Synästhetin höre ich diese Arie als dunkelrot. Und ich kann nicht sagen, warum, aber vor dieser Farbe habe ich Angst, obwohl ich sie sehr mag.

In der Meditation sammle ich Kraft, dann ziehe ich einen dunkelroten Pulli an und mache mich auf den Weg...
Als die Aufnahme beginnt, bin ich gefasst und komm ganz gut rein in das Stück, aber es gibt immer wieder Momente, in denen ich mit den Tränen kämpfe...aber ich halte durch.
Am Ende der Vormittagseinheit haben wir alles im Kasten und machen unseren Abschlussdurchlauf. Der läuft so unerwartet gut, dass sich der Instinkt von Manfred Dahlhaus mal wieder einschaltet und entgegen dem ursprünglichen Plan bittet er nach dem Durchlauf dann doch noch einmal um die Einleitung. Bekommt er.......und wir einen Take mit den wohl schönsten vier Takten der ganzen Woche.

Zurück in meiner Garderobe liegen mir die Nerven blank und dieses rote Sofa macht mich genau so fertig wie mein roter Pullover. Den Pulli ziehe ich aus und eigentlich ist es mir im T-Shirt zu kalt, aber es geht jetzt grade nicht anders...
...da klopft es an der Tür und vor mir steht der Haustechniker. Er braucht das rote Sofa für einen Fototermin. "Unbedingt!!!" antworte ich und ernte seltsam fragende Blicke... Als alles Rot weg ist, komm ich endlich zur Ruhe.

Die Mittagspause verbringe ich in T-Shirt und Jacke und gehe eine Runde spazieren. Als ich wiederkomme und meine Noten für den Nachmittag aus der Tasche holen will, fällt mir ein blauer Pulli in die Hände. Ich hatte ihn mitgenommen in der Annahme, dass die gestrigen beiden Stücke nicht in der gleichen Farbe funktionieren könnten, aber ich habe ihn nicht gebraucht und hatte ihn ganz vergessen.
So gehe ich in die Nachmittagseinheit mit blauem Pulli und neuer Kraft... und die Aufnahme wird wunderbar!

19 Uhr Feierabend... Malzbier...... Ach, und bevor ich abschalte eines noch: Jetzt nur nicht nachlassen. Morgen noch ein Schippchen drauf...



Freitag 28.07.

Als ich heute vor dem Schumann-Saal parke, komme ich vor einem Fenster zum stehen. Ich ziehe den Schlüssel aus dem Zündschloss, sehe einen Moment grade aus...und stelle fest - mein Auto lächelt mich an. Danke Auto! Hallo Freitag! :-)

Morgens produzieren wir die letzte Arie mit aufgestockter Besetzung. Meiner Stimme geht es nun zu meinem ganz großen Glück schon den siebten Tag in Folge richtig gut!
Aber allmählich habe ich wirklich am ganzen Körper Muskelkater und auch meine Konzentration lässt nach. An einer Stelle im Stück beiße ich mich fest und irgendwann müssen wir Pause machen. Mit etwas Geduld und neuer Kraft geht es nach der Pause weiter und innerhalb von zwei Minuten ist die schwierige Stelle gelöst. Auch diese Aufnahme gelingt :-)

Mittags stelle ich fest, dass ich offenbar nicht die einzige bin, deren Gehrin auf diesen seltsamen Stromsparmodus schaltet: Etwa 85% unseres Essens landen noch im Mund, der Rest fällt runter, und das Tischgespräch erschöpft sich in der Diskussion, bei welchen Lebensmitteln es heißt "Ich habe gekleckert", bei welchen man sagt "geschlabbert", "gematscht", "gekrümelt" oder "gepampelt". Mehr intellektuelles Niveau kriegen wir alle grad nicht mehr hin.
...bis es dann um zehn vor vier wieder "klick" macht und wir in die nächste Aufnahme starten. Auch diese Arie läuft richtig gut, und so haben wir um 19 Uhr sieben von unseren acht Arien im Kasten.

Auf dem Weg nach Hause kaufe ich Blümchen für "mein" Orchester. Es ist ein komisches "Zwischengefühl", denn morgen habe ich ja noch eine große Arie vor mir und bin noch gar nicht auf Blumen und Abschied eingestellt...

Kaum zu Hause rein, laufen meine Füße selbständig Richtung Kühlschrank. Und mein Gehirn hat eine neue Dimension von Stromsparmodus erfunden: Ich stelle einen Topf auf den Herd - aber statt des Herdes drehe ich die Eieruhr auf neun... Neun Minuten später kocht immer noch nichts. Aber das macht nichts, denn ich hab heute keine Eile mehr.
Mit meinem Malzbier in der Hand, Muskelkater am ganzen Körper und einem Eimer voller Blümchen an meiner Seite nehme ich mir vor:
Morgen noch...... (boah ist das anstrengend)........morgen noch...... morgen noch ein letztes mal ein Schippchen drauf!



Samstag 29.07.

Mein ganzer Körper ist so müde... Beim Meditieren versuche ich, alle restliche Kraft zu sammeln und zu mobilisieren. Nur noch diesen einen Tag...!

Um elf starten wir mit der Aufnahme der letzten Arie, und heute merke ich, dass nun auch meine Stimme müde wird. Nur die Ruhe... Ich gehe nochmal fünf Minuten raus und mit Gurgeln, Honig, Äpfeln, Tee und allen anderen "Gimmicks" unseres Berufes päppel ich mich noch einmal auf. Im zweiten Anlauf läuft es schon viel besser und nach einer kurzen Warmlaufzeit finde ich meine Spur. So gelingt dann auch Schritt für Schritt unsere letzte Arie.
Um halb drei machen wir den obligatorischen Durchlauf zum Abschluss..... Und als das rote Licht ausgeht, springe ich vor Freude über die Bühne und die Streicher fallen sich gegenseitig in die Arme.
Wir haben es geschafft!!! Juhu!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Als die anderen mit Zusammenpacken beginnen, kann ich mich nicht so recht von meinem Platz und meinem Notenständer lösen... Ich drehe noch diverse Extra-Runden durch meine Garderobe, die Regie, über die Bühne und wieder in meine Garderobe... und irgendwann schnappt mich Michael und schleppt mich aus dem Saal.

Wenig später sitzen die Tonmeister, meine "Nachbargeigerin", Michael und ich beim Italiener und ich bestelle fünf Gläser Sekt. Der Kellner guckt mich einen Moment irritiert an und sagt dann "Ach, Sie können reden...!" Stimmt ja... er hat die ganze Woche nur mit Susi gesprochen...!
Beim Anstoßen merke ich, dass ich sogar in den Fingern Muskelkater habe... Aber kaum bemerkt, habe ich es auch schon wieder vergessen. Ich bin so glücklich!!
Wir verquatschen uns noch bis abends um halb acht, bevor wir auseinander gehen, und wir beschließen: Spätestens zur Release-Party kommen wir wieder genau hier zusammen!



Die Postproduktion
September 2017


Rot... Gelb... Grün... GO! :-)

Der Herbst ist da, vor meinem Fenster ist eine Baum-Ampel auf grün gesprungen, und los gehts mit dem ersten Schritt unserer Postproduktion: mit dem Schnitt.
Dazu packen Michael und ich sämtliche Noten und Schnittpartituren ein und auf gehts zum Tonstudio von Manfred Dahlhaus.

...und das fühlt sich ein bisschen an, wie nach Hause kommen...: Seit der Postproduktion von Sol nascente waren wir nicht mehr hier - aber es hat sich nichts verändert! Manfred begrüßt uns wie immer mit offenem Lachen und voller Vorfreude, auf dem Tisch stehen Kaffee, Gummibärchen und Kekse, und.....tatsächlich.....aus einer alten Umzugskiste kramt Manfred MEINE Decke, die mir im letzten Projekt über alle Wochenend- und Nachtschichten vom ersten Ton bis zur Veröffentlichung die Füße und das Herz gewärmt hat. Also, ich würde sagen: Wir sind startklar :-)

Jetzt braucht es - und brauchen wir - vor allem erst mal eines: Geduld. Bewaffnet mit unseren Kaffeebechern und Schnittpartituren beginnen wir, Take für Take unserer Aufnahmewoche durchzuhören und auszuwerten. Auch wenn man beim Schneiden die Ohren auf "Fehlerhören" trimmt und wir nach einem Schnitt-Tag abends oft ganz schön alle sind, huscht uns immer wieder ein Lächeln der Vorfreude über die Lippen... Die Aufnahmen sind schööööön geworden und Stück für Stück beginnen unsere "neuen alten" Schätze, Gestalt anzunehmen. Ist das aufregend...!

Wir machen uns auf die Reise nach Thracien - immer auf der Suche nach der ausdrucksstärksten Musik.
Bis bald! :-)



Oktober 2017
Qual terra è questa?

Der Grundschnitt von Arie Nummer eins und zwei ist fertig, ebenso eine große Rezitativ-Szene, und Arie Nummer drei beginnt, zu wachsen. Ihr voran steht ein Rezitativ, das die Kernfrage des Stückes auf den Punkt bringt:
Qual terra è questa? Was ist das hier für eine Welt?
Wie kann man ernsthaft glauben, dass irgendwas besser wird, wenn man unschuldige Menschen umbringt, nur weil sie ihr Leben nach anderen Idealen ausrichten?

Die traurige Aktualität von Metastasios Libretto erwischt uns immer wieder eiskalt. Es macht Mut, dass die Arien in ihrer Tonsprache so eindeutige Antworten finden. Wir geben unser Bestes, genau das mit unserer CD hör- und spürbar werden zu lassen.
Es ist eine Gratwanderung für uns, der Schönheit und Anmut der empfindsamen Arien genauso gerecht zu werden, wie ihrer sehr ernsten und nachdrücklichen Aussage. Oft sitzen wir in der Pause erst mal einen Moment schweigend nebeneinander, manchmal sprudeln im Gegenteil die Gedanken über und wir kommen aus den Gesprächen kaum wieder raus.

Manfred der Drolli bringt neuerdings immer "Gummibärchen-Pärchen" mit und behauptet, dass das beim Schneiden hilft... Na gut... nicht dass das die Geschichte um die beiden ungleichen Paare ändern würde, aber wer weiß - einen Versuch ist es wert und ich melde mich freiwillig zum Test! :)



November 2017

Mit dem November beginnt die Konzert-Hochsaison und es mangelt uns akut an Zeit - und ausgerechnet jetzt bleibt auch noch mein Auto liegen... Die Bahnseite spuckt mir eine Verbindung von zweieinhalb Stunden aus, hinwärts, zurück ist bei Musiker-üblichen Arbeitszeiten grundsätzlich ein Glücksspiel.

...und nu?

Am nächsten Morgen steht ein großer Wagen vor meiner Haustür. Zweieinhalb Stunden später hat sich mein Wohnzimmer in ein Homestudio und mein Arbeitszimmer in ein Gästezimmer verwandelt...und ich muss mal wieder feststellen, dass ich die besten Kollegen der Welt habe...!! Fehlt nur noch eine große Kanne Kaffee und auf gehts.

Gleich am ersten Abend merken wir, dass wir sogar schneller voran kommen, als sonst. Womöglich liegt es auch an der beruhigenden Aura meiner Katze, die sorgfältig überwacht, was wir da so machen :)
Als mein Auto wieder aus der Wekstatt kommt, bin ich trotzdem erleichtert.

Zurück im großen Studio kontrollieren wir noch einmal in Ruhe, was wir geschnitten haben und sind hoch zufrieden. Jetzt kann Weihnachten kommen!



Januar 2018

Bergfest! Wir haben die Hälfte der Arien fertig und stehen bei ca 35 min Laufzeit.

Ein Weihnachtsgeschenk der besonderen Art erleichtert uns die Kommunikation: Zwei Buzzer mit "YES" und "NO" geben auf Knopfdruck die Antwort unserer Einschätzung, ob zwei Takes aneinander passen.
Als wir an einer Verbindung alle drei aufspringen und uns gegenseitig die Hände über dem "YES"-Buzzer verklöppen, wissen wir: Läuft :-)) Die Arie wird schön.



April 2018

Komm lieber Mai und mache...
...den Schnitt mit uns fertig :-) Nach einer kurzen umzugsbedingten Unterbrechung komme ich heute aus meinem neuen zu Hause ins Studio und wir machen Nägel mit Köpfen:
Am 9. November wird unsere CD erscheinen :-)
Das heißt für uns:
31.7. Abgabe des Schnitts, 31.8. Abgabe des Masters und des Booklets, 15.10. Abgabe des Image-Films.
Wir sitzen hier mit aufgekrempelten Ärmeln und hauen rein. Bis bald!



Mai 2018


Im Tonstudio stehen wir beim Grundschnitt der letzten Arie. Man man könnte ja meinen, dass wir langsam ruhiger weil routinierter würden, aber ganz im Gegenteil scheint mir das Adrenalin stetig merklich zu klettern und langsam beginne ich, unruhig zu schlafen.

Fast erscheinen mir die Arien wie acht Persönlichkeiten, von denen ich zwar längst weiß, was für großartige Charaktere sie haben, aber die ich nun bald zum ersten mal treffen werde.

Es ist, als ob sie aus der Ferne immer näher auf uns zukommen, und je weiter wir kommen mit dem Schnitt, desto klarer kann ich ihre Kontouren erkennen. Ich bin richtig aufgeregt.



Juni 2018

Booklet-Time! :-) Lucky me: Auch in diesem Projekt steht mir Tobias Becker als Fotograf und Designer zur Seite. Tobias hat die beneidenswerte Gabe, wie ein „ästhetischer Dolmetscher“ meine philosophischen Ideen in konkrete Bilder zu konvertieren. Seine Vorschläge sind herrlich bodenständig aber nie simpel.

Nach drei Konzeptionstreffen, die vom ersten kreativem Querdenken bis zur Auswahl der konkreten Klamotte reichen, geht es auf zum Cover-Shooting.

Der große Tag beginnt für mich mit dem Styling. Franca Schnell ist die Stylistin und Visagistin meines Vertrauens. Gut gelaunt begrüßt sie mich in ihrem Salon(g) und präsentiert mir stolz eine ausgetüftelte „Frisurenkomposition“, die eine royale Hochsteckfrisur mit einem Bauernzopf kombiniert. Genial!! Auf unserem Cover wird Dircea zu sehen sein, die vermeintlich bürgerliche Protagonistin unserer Oper, die sich als die wahre Prinzessin entpuppt.

Zwei Stunden später sind wir im Atelier von Tobias Becker und es geht los. Am Nachmittag halte ich dankbar und stolz ein wunderschönes Ergebnis in der Hand und ahne, dass ich das morgen mit Muskelkater bezahlen werde. Aber das war's wert :-)



Samstag 14.07.2018

Countdoooooooooown! Als die Sommer- und Spielzeitferien in NRW anbrechen, beneide ich offen gestanden einen Moment lang alle, die jetzt bei 30 Grad in der herrlichen Sommersonne liegen - denn für uns beginnt der Endspurt. Zwei Wochen haben wir noch Zeit im Tonstudio, dann muss alles fertig sein.
...aber kaum ist die erste Arie abgespielt, möchte ich mit niemandem mehr tauschen - ich möchte einfach nur noch eine wunderschöne CD fertig kriegen. Manfred setzt den ersten Schnitt - und zack, sitzt das Adrenalin mir wieder bis unter den Haarwurzeln. Einmal durchatmen. Endspurt, wir kommen! :-)



Donnerstag 19.07.2018

Alle Nachschnitte sind fertig. Jetzt im Korrekturschnitt werden alle Arien ein drittes und letztes mal kontrolliert, dann ist Schluss mit Schneiden. Unsere Aufgabe ist also jetzt nicht mehr, schöne Musik zu „entwerfen“, sondern die schön entworfene Musik kritisch zu hören und letzte Unsauberheiten zu korrigieren.

Ich finde diesen Schritt schwer, denn wer kann schon beurteilen, wann eine Korrektur auch wirklich ein Gewinn ist? An ein paar wenigen Stellen mag ich die "ungeglättete" Version einfach lieber. Ich glaube, der letzte Maßstab in unserer Kunst darf nicht Perfektion sein...wichtiger ist mir, was die Musik aussagt.

Es macht mir Mut, dass meine beiden Kollegen genau so empfinden, wie ich, und so beschließen wir: Wir entscheiden auch aus dem Bauch, nicht nur aus dem Kopf heraus.



Dienstag 24.07.2018

Der Korrekturschnitt ist beschlossen. Wir haben ein gutes Gefühl und widmen uns der Mischung.
Jetzt taucht ein echtes Problem auf, denn: Ich habe ein neues Auto. :-(

...was soll das? Nun ja... - Im letzten Projekt haben wir die Erfahrung gemacht, dass eine in einem professionellen Tonstudio erstellte Mischung zwar vor Ort super klingen mag - aber dass das noch lange nicht heißt, dass die CD auch schön klingt, wenn man sie dann zu Hause einlegt!

So kam es, dass wir 2015 beschlossen hatten, uns erst zufrieden zu geben, wenn die CD auf dem schlichtesten aller möglichen Player wirklich gut klingt - und das war der CD-Player in meinem Auto. Die Sol-nascente-Mischung entstand bei 120 km/h auf der A46. So, jetzt isse's raus. ;-)



Mittwoch 25.07.2018

Mit meinem jetzigen Auto-Player, das wird einfach nix. Er schaltet automatisch leiser und lauter je nach Geschwindigkeit, und das schreddert uns sämtliche Dynamik-Fragen!! Es nützt alles nichts, wir müssen umdenken und im Wohnzimmer gegenhören...



Donnerstag 26.07.2018

Fast.......... fast................. fast.........................!!!!!!!!!!!



Freitag 27.07.2018

Hurraaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Wir sind fertig!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Der letzte Versuch ist es einfach. Alle drei haben wir sofort beim ersten Ton Gänsehaut und ein strahlendes Lächeln auf dem Gesicht. Wir ändern kein my mehr und sind uns einig: Ganz genau so soll unsere CD erscheinen.
Als Manfred die CD bounced, wird uns klar, wie übermüdet wir sind... aber auch überglücklich, und so ist die Müdigkeit schnell vergessen.

Mit der fertig gemischten CD im Gepäck fahren wir zu dritt zu mir nach Hause und lassen den Abend auf der Dachterrasse gemeinsam ausklingen. Bereits nach dem ersten Schluck Wein macht unser Gehirn das, was es bei der Aufnahme entwickelt hat: Stromsparmodus. Feierabend! Hurraaaa!!!!!



Wie geht's jetzt weiter?

In zwei Wochen fahren wir zu Uli Holst nach Hamburg. In seinem Studio werden wir die Sourround-Einrichtung machen und dann ans Label abgeben.
Unsere CD wird am 09.11. bei ARS Produktion erscheinen. Eine kleine Überraschung wird es vorher noch geben, aber mehr sei noch nicht verraten :-)

Bis bald!! :-)



Oktober 2018

Während die CD im Presswerk ist, heißt es für uns Booklet-Feinschliff. Die englischen Übersetzungen sind frisch vom Label eingetroffen, Tobias Becker hat alles wunderschön gestaltet und nun sitzen wir vor dem fertigen Design und lesen Korrektur. Nicht, dass wir nach der Freigabe doch noch Kommas finden die, an seltsamen Stellen stehen...

...und die Überraschung? - nimmt Gestalt an. Na gut, nun sei es verraten: Wir drehen ein Making-of :-)
Uli Holst hat zu einem der Aufnahmetage seine Kamera mitgebracht und uns voll "in action" eingefangen. Beim Angucken der Videosequenzen klettert uns das Adrenalin sofort wieder bis in die Haarspitzen...und genau diesen Einblick, so haben wir beschlossen, möchten wir mit euch teilen!
Wir verabreden uns also erneut mit Uli und seiner Kamera und nehmen ein paar Hintergrundinfos zu unserem Herzblutprojekt auf. Soabld alles im Kasten ist, findet ihr den Film hier! ...und auch, wenn der letzte Drehtag noch aussteht, sagt mir mein Gefühl: Es kann nur gut werden :-))



Donnerstag, 08.11.2018, 22:34 Uhr

Mit einem Strahlen bis über beide Ohren komme ich aus dem Studio von unserer Cutterin: Unser Film ist fertig und ich bin überglücklich. Er ist wunderschön geworden... Beseelt und ein bisschen entrückt fahre ich nach Hause - und in meinem Auto erklingt zum ersten mal die fertige CD.
Als ich zu Hause ankomme, hat es gerade Mitternacht geschlagen. Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, dolci affetti! Wir sind glücklich, dass du da bist!

Ab heute erhaltet ihr das Album überall im Handel, am besten direkt beim Label (klick).

Bleibt mir nur noch, euch ganz viel Freude beim Anhören von unserem wiederentdeckten Schatzkistchen zu wünschen, und jede Menge dolci affetti!
In diesem Sinne:


Auf wiederhören!! :-)

Charlotte, Dircea, Creusa, Timante und Cherinto...
...und der ganze Rest des Demofoonte-Teams :-)



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