Charlotte Schäfer • Sopran

Oratorium Lied Coloratura

"Auf ihrer Debüt-CD stellt sich die junge...Sopranistin Charlotte Schäfer mit anspruchsvollen Koloraturarien...vor. Sie nennt ihr Album nach der überschwänglichen Arie "Sol nascente" KV. 70 (aufgehende Sonne)... Die acht...Arien...meistert Schäfer mit bemerkenswerter Souveränität. Ihr sicher geführter, glockenheller Sopran ist höhensicher, und wenn sie sich auf weniger halsbrecherischem Terrain bewegt, dann klingt ihre Stimme oft mädchenhaft und auf liebenswerte Weise naiv. Auf dieser riskanten Klettertour durch unwegsame Koloraturgebirge wird sie stilsicher von Michael Preiser und seiner Neuen Düsseldorfer Hofmusik begleitet. Es ist eine ungetrübte Freude, dieses Album zu hören, dessen Titel vielleicht ja auch auf Charlotte Schäfer selbst bezogen werden kann." (J. Gahre/Das Opernglas 01/2016)

 





Sol nascente - CD-Produktion 2014/2015

Wenn du schnell gehen willst, geh alleine.
Wenn du weit gehen willst, geh mit anderen zusammen.
(Afrikanisches Sprichwort)



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In meinem Leben hatte ich immer viel Glück. Meine "Spezialität" liegt darin, den richtigen Menschen im richtigen Moment zu begegnen, vor allem dann, wenn es gilt, Krisen in Chancen zu verwandeln.



Januar 2013



Vor drei Jahren hatte ich eine tiefe Gesangskrise. In dieser Zeit lernte ich Martin Wölfel kennen, der mich mit einer Engelsgeduld aus der Krise heraus unterrichtete. Mein erstes Konzert nach dem geplatzten Knoten war Mozarts c-Moll-Messe unter der Leitung von Wolfgang Endrös. Der freute sich über meine Koloraturen und engagierte mich für einen konzertanten Vortrag von Mozarts Aspasia-Arien im November 2012.

Dieses Konzert hörte der kunstliebende Privatier Peter Gerlach und beschloss kurzerhand, mich bei einem schönen Projekt meiner Wahl zu unterstützen, um schnell wieder Fuß zu fassen in meinem Traumberuf. Etwa zeitgleich traf ich am Theater Krefeld Christine Lauter wieder, eine Grundschulfreundin, die damals schon ein ganz auffällig kluger und feinsinniger Mensch war, und inzwischen aus dieser Gabe eine Karriere als Musikwissenschaftlerin machte.

In meiner Gesangsklasse lernte ich Lilia Dornhof kennen, ein sprudelndes und sehr charmantes Multitalent. Sie ist nicht nur Sängerkollegin, sondern auch Ton- und Bildmeisterin. Und ohne Grenzen hilfsbereit. Einer ihrer Kommilitonen war Robert Keilbar, der jetzt der Aufnahmeleiter unserer Einspielungen sein wird.



Die Vorbereitungen

6 Monate später




Christine Lauter hat die Handschriften von rund 300 in Vergessenheit geratenen Arien von frühen Mozartzeitgenossen aus Tresoren und Bibliotheken ausgebuddelt.

Michael Preiser und ich sitzen einen Sommer lang über dieser Schatztruhe, entziffern alte Handschriften und schulen fleißig unser Vom-Blatt-Spiel und -Singen. Etwa 80 Arien sind am Ende des Sommers in der engeren Wahl. Martin Wölfel bringt uns auf Traetta. Mehr sei hier noch nicht verraten.

Lilia Dornhof und Robert Keilbar haben ein Aufnahmeteam zusammengestellt. Nebenher pendelt Lilia zwischen Frankreich, Russland und Deutschland und absolviert ihr Diplom in Ton- und Bildtechnik und eine erfolgreiche Aufnahmeprüfung am Conservatoire de Lille.

Oliver Kersken von der Neuen Düsseldorfer Hofmusik nimmt sich inmitten der Sommerakademie auf Schloss Benrath viel Zeit für mich und unser Vorhaben und hilft mir beim Planen von allem organisatorischen Aufwand. Mit dem Satz "Städtische Rasenmäher kriegt man mit einer Kiste Bier ausgeschaltet, aber wir sollten unter den bestmöglichen Bedingungen aufnehmen" outet er sich als Vollprofi mit der nötigen Portion Herz und Humor.



Weitere 6 Monate später



Bruno Balmelli entziffert und übersetzt mir das alte Italienisch der inzwischen feststehenden Arien und übt es mit mir zu sprechen. Abgesehen davon komme ich aus keiner Italienischstunde hungrig nach Hause. Wäre er nicht ein wunderbarer Sänger, er hätte meinethalben auch Koch werden können! Oder Kabarettist.

Meine Familie schenkt mir einen Massage-Gutschein, denn zu jedem Unterricht schleppe ich ein auf 430 Hz getunetes Epiano.

Unser Aufnahmeraum ist geplatzt. Nach einer schlaflosen Woche haben wir nun den Schumannsaal im Düsseldorfer Museum-Kunst-Palast bekommen können.

Michael Preiser und Christine Lauter edieren neben ihren vollen Stellen her die Handschriften, korrigieren mit Bedacht etliche Kopistenfehler und lassen sich auch von abstürzenden Computern, ohne Vorwarnung kaputt gehenden USB-Sticks und auf Tastaturen springenden Katzen nicht davon abhalten, lesbares Material für unsere Aufnahmen zu erstellen.
Christine muss allerdings tatsächlich eines der neun Libretti nochmal aufschlagen, um den ganz genauen Kontext der Szene nachzulesen. Die Antwortmail kommt daher erst einen halben Tag später, aus Bonn, sie ist inzwischen Leiterin der Educationabteilung des Beethovenorchesters.

Mary Utiger richtet jede frisch fertige Arie für uns ein. Harald Hoeren beziffert seinen Bass fürs Continuo selbst. Oliver Kersken hat sämtliche Zeit- und Besetzungspläne im Blick.

Booklet-Fotoshooting. Zu jeder Arie wird es ein Szenenfoto geben. Mein halber Kleiderschrank befindet sich im Atelier von Tobias Becker. Am "großen Tag" ist die Sonne für uns da, Tobias fängt mit der Kamera die neun Typen ein, die Franca Schnell als Visagistin und Stylistin aus mir macht. Ich ziehe den Hut vor jedem Model!! Es hat riesig Spaß gemacht, aber am nächsten Tag sind wir alle platt. Vor allem Tobias, der sich das halbe Bein beim Shooting aufgeschlagen hat...und trotzdem 11 Stunden durchgearbeitet hat.



Juli 2014



Ich bin zurück aus Wien. Marlis Petersen hat sich neben den Traviata-Proben am TAW viel Zeit für mich genommen und ich komme voller Begeisterung und Dankbarkeit, toller Impulse und schöner Erinnerungen von einer unvergesslichen Woche zurück. An dieser Stelle: Sie ist nicht nur eine fantastische Sängerin und Lehrerin, sondern auch einer der warmherzigsten und liebenswertesten Menschen, denen ich je begegnet bin. Wenn man hört, dass die ganz Großen keine Allüren haben, weil sie es nicht nötig haben, dann kann ich das in ihrem Fall mehr als bestätigen.

Der Aufnahmeplan steht, der Countdown läuft. Wir werden sechs Tage à zwei mal drei Stunden Zeit haben um alles zu proben und in den Kasten zu bekommen. Wer einen Daumen frei hat, möge ihn JETZT fest drücken.

Das Fußfassen - man ahnt es - hat sich bei aller Freude und allem Mut, den so ein Projekt mit sich bringt, längst davon gelöst: Ich bin schon im dritten Jahr "wieder da" und kann tatsächlich schon meinen Kalender bis 2016 schreiben. Darüber bin ich sehr, sehr glücklich. Und tief dankbar - denn alleine hätte ich es vielleicht nicht geschafft. Definitiv jedenfalls: nicht so.



Donnerstag 10.07.



Los geht's !!!

Stimmführerprobentag. Wegen des Hammerflügels treffen wir uns bei Harald Hoeren, der knappe zwei Stunden entfernt von mir wohnt.
Ich bin aufgeregt und die ganze Fahrt über geistert durch meine Sinne ein "Was-ist-wenn-..."-Gespenst in verschiedensten Kostümen. Mir gefällt keines davon und also beschließe ich, dass es draußen bleibt, wenn ich ankomme.

Bei Harald angekommen werde ich dann so herzlich und freundlich von allen Spielern begrüßt, dass es mir direkt sehr viel besser geht. So beginnt eine konstruktive Wohnzimmerprobe mit kreativem Ausprobier- und Bastelcharakter im allerbesten Sinne. Das Material, das Christine Lauter und Michael Preiser erstellt haben und das Mary Utiger eingerichtet hat, ist gut, und so kommen wir zügig voran.
Zum ersten mal seit 250 Jahren klingen die fünf "vergessenen" Arien nun wieder, ich möchte jubeln und vermutlich leuchten meine Augen wie il sol(e) nascente selbst. Ich bin begeistert von den hochmusikalischen Stimmführern der Düsseldorfer Hofmusik, glücklich über die schöne Arbeitsatmosphäre und sehr gespannt auf die kommende Woche.



Die Aufnahmen

Montag 14.07.




Sechs Uhr und ich wache mit einem breiten Lächeln auf, gerade war mein Gehirn bei meiner Lieblingskadenz.
In der Kneipe auf der gegenüberliegenden Straßenseite war heute Nacht große WM-Sieg-Party... aber irgendwann konnte ich schlafen.

Ich gehe erst mal meditieren, dann inhalieren, Salbei gurgeln...irgendwann frühstücken wider jeden Willen meines Magens...aber er ist tapfer. Als ich mich für warmgesummt befinde, beginne ich mit dem Einsingen. Unter der Dusche werden die Randkanten dann - wie immer - nochmal wacher. Woran liegt das eigentlich?

In eine große Tasche kommen alle Talismänner, Tees und Pastillen zusammen mit dem Wasser- und dem Espressokocher, zwei Literflaschen Wasser und einem Set diverser Energielieferanten und auf gehts zum Schumannsaal.

Der ist bis ins letzte Detail ein echter Traum. Ein bisschen bin ich geflasht, dass es hier tatsächlich Stühle für das Orchester gibt, bei denen man mit zwei kleinen Kurbeln separat die Höhe und den Winkel der Vorder- und Hinterbeine verstellen kann. Dass das für alle Achsen der Rückenlehne und Sitzfläche auch gilt, ist vermutlich selbstredend...

11 Uhr. Erste Probe. Streicherbesetzung. Stück um Stück puzzeln wir die Arien zusammen während die Tonmeister das Klangbild einrichten.
Einen Moment wird mir schwummerig Auge in Auge mit der ganzen Mikrofonierung und angesichts der Tatsache, dass es jetzt eine Marathonwoche hindurch darum gehen wird, in jeweils begrenzter Minutenzahl neun Arien zu verewigen. Aber die Freude ist so groß, dass ich immer wieder Flowmomente erlebe, und der Stimmton von 430 Hz gibt mir ein wohlig warmes Gefühl.

Um 14 Uhr ist Pause, um 16 Uhr puzzeln wir weiter. Zum Schluss gehts in die Detailprobe für die erste Aufnahme morgen. Um 19 Uhr ist Feierabend und mir gehts ziemlich gut.



Dienstag 15.07.



Sechs Uhr. Aufstehen, meditieren, inhalieren, gurgeln, einsingen...same same.

Vormittags ist die erste Tuttiprobe und ich freu mich, dass ich genießen kann - den schönen Klang der Düsseldorfer Hofmusik, Michael Preisers Interpretationen, den Saal, den Stimmton und die konstruktive Atmosphäre.

Um vier Uhr ist die erste Aufnahme.
Es ist eine der Ersteinspielungen, wir haben hundert Minuten Zeit dafür. Meine allererste Aufnahme... Die Arie ist die emotional schwierigste für mich, sie ist so wunderschön und so traurig, dass ich weiß, ich muss in Dialog und auf Augenhöhe mit ihr sein, damit sie glaubhaft klingt, aber mich nicht überrollt.
Als das rote Licht ausgeht, verlasse ich hoch erhobenen Hauptes die Bühne, aber sobald ich die Garderobentür hinter mir schließe, laufen ein paar Tränen der Überwältigung.
Zwanzig Minuten Pause lassen mir keine Zeit zum Nachhängen, ich seh es aber auch nicht ein, denn jetzt folgt ein wahrer "Fetzer". Die erste Probe im tutti läuft schön und versorgt mich mit neuer Energie.

Um sieben ist Feierabend, ich gehe an mein Cooldown bis die Randkanten glücklich sind und entscheide mich zwischen zu müde zum Essen und zu hungrig zum Schlafen für letzteres. Salatsoße ohne Essig schmeckt echt öde, aber mein Rachen hat jetzt eine Pause verdient.



Mittwoch 16.07.



Sechs Uhr. Aufstehen, meditieren, inhalieren, gurgeln, einsingen...und so weiter...

Um elf beginnt heute die Tuttiprobe einer weiteren "Ausbuddelung". Diese heute ist die technisch kniffeligste Arie für mich. Martin Wölfel ist - wie immer, wenn es zählt - für mich da und kommt eine Weile gegenhören. Ach, und noch jemand ist natürlich immer da: Eichhörnchen Barney :-)

Als es grade schön läuft, werfen wir kurzerhand den Zeitplan über Bord und produzieren diese Arie statt der geplanten. Die Entscheidung ist richtig, aber es dauert lange und ist tierisch anstrengend. Entsprechend lange brauche ich auch fürs Cooldown, sowohl mittags als auch abends. Aber ich bin riesig erleichtert, diesen Brocken geschafft zu haben.
Der Pokal des Tages indes geht mit Kusshand an die Hörner für eine Sechzehntelfanfare in Tempo 132 auf B basso-Instrumenten. Hörner: Ich find's geil :-)



Donnerstag 17.07.



Halbzeit!
Sechs Uhr. Aufstehen, meditieren, inhalieren...ich beginne mich zu wiederholen...

Heute ist ein Spagat-Tag für mich, wir produzieren alles mit "aufgestockter Besetzung", morgens sind zwei Trompeten da, mittags ein zweites Fagott, und abends steht noch ein langes Accompagnato-Rezitativ auf dem Plan. Dass die drei Stücke in ziemlich unterschiedlichen Tessituren liegen, heißt für mich den permanenten Wechsel von Warmup und Cooldown. Bei diesem sprichwörtlichen Energieverschleiß lasse ich heute echt Nerven.
Ich bin doppelt froh, dass Lilia im Tonmeisterteam sitzt, denn als Sängerkollegin kann sie mir bei dieser Herausforderung besonders helfen.

Abends zu Hause merke ich die einsetzende Erschöpfung. Das Gefühl, sie nun kommen zu spüren, aber erst die Hälfte der Stücke im Kasten zu haben, find ich grade ziemlich unbehaglich und falle müde ins Bett.



Freitag 18.07.



Viertel nach sechs. Meine Katze sitzt auf meinem Kopfkissen und maunzt mir im "rinforzando", wie Traetta schreiben würde, direkt ins Ohr, zwei Minuten bevor der Reservewecker angeht. Der blinkenden 0:00 auf dem Radiowecker entnehme ich, dass es wohl einen Stromausfall gab. (Dieses Schicksal scheine ich mit meinen Klassenkameraden zu teilen und empfehle hiermit allen, sich Reservewecker für wichtige Tage zu stellen ;-))

Leider fühl ich mich selbst auch wie nach einem Stromausfall und im Laufe eines mauen Morgens wird das auch nicht spürbar besser. Als die erste Aufnahme beginnt, läuft in mir bereits das Suchprogramm "Finde optimalen Plan B", denn ich fühle mich noch immer wie ein Crashtestdummie und bin fast sicher, dass ich heute keine drei Aufnahmen schaffen kann.
Martin Wölfel ist hergekommen. Michael Preiser weiß, dass es sich für mich in der Vormittagseinheit eigentlich nur um einen optimistischen Versuch handelt und ich ggf. abbrechen werde, aber er macht mir Mut, es einfach zu versuchen.

Und so steh ich da mit dem Vorsatz "einfach anfangen"...und mach das...und es rast eine so überbordende Kraft auf mich zu, dass ich keine Ahnung hab, wie mir geschieht. Am Ende der ersten Einheit haben wir bereits zwei Arien im Kasten. Nach der dritten beenden wir den Tag vor der Zeit und ich kann mich den Abend über ausruhen.
Verwirrt, aber tief dankbar liege ich im Bett und muss konstatieren: Das war mein bester Tag.




Samstag 19.07.



Finale, ooohh! :-)


Sechs Uhr. Der Wecker hat wieder geklingelt, ich beschließe, dass der Tag gut wird!

Um elf sammel ich ein letztes mal alle mobilisierbaren Energien und um kurz vor vier sind alle neune im Kasten.

Ich hüpfe wie ein Flummi durch den Schumannsaal und bin überglücklich. Im Seligkeitsrausch verabschiede ich mich von einem hochgradig professionellen Orchester voller Dankbarkeit für die erfüllte Woche.
Ich ziehe den Hut, dass nicht ein einziges unfaires Wort gefallen ist, denn man darf nicht vergessen, dass die Woche nicht nur für mich ein Marathon war. Im Gegenteil aber haben alle Musiker mich und die anderen Teammitglieder immer wieder und immer neu noch ermutigt und gestärkt. Einmal hervorgehoben seien Mary Utiger und Nicholas Selo, die von der ersten bis zur letzten Minute mit konstruktiver Kritik, höchster Musikalität und viel Geduld mitgefühlt, mitgeglüht und mitgestaltet haben.

Als ich den Museum-Kunst-Palast verlasse, fühle ich mich verändert. Gestärkt. Stolz. Aber auch unfassbar müde. Müde kommt aber nicht in die Tüte, denn jetzt will ich feiern.

Eine halbe Stunde später befinden sich Michael und ich auf der Rheinkirmes mit Sekt in der einen und Zuckerwatte in der anderen Hand. Und bevor meine Füße versagen, muss ich unbedingt noch Wildwasserbahn fahren. :-)



Die Postprodukiton

September 2014



Bunte Blätter fallen, graue Nebel wallen...und Michael und ich sitzen mit neun Schnitttabellen, großen Kaffeebechern und viel Schokolade ausgestattet im Tonstudio von Manfred Dahlhaus, der uns mit einem freundlichen und offenen Lächeln empfangen hat. Die Aufnahmen sind schööön geworden! Jetzt macht er mit uns den Schnitt.

Der erste Schritt ist ein Grundschnitt. Wir hören das komplette Material durch und fügen dann wie bei einem Puzzle diejenigen Takes zusammen, die das rundeste Gesamtergebnis versprechen.
Mit einer unbeschreiblichen Ruhe und Disziplin arbeitet sich Manfred mit uns von Takt zu Takt, von Spur zu Spur, von Schnitt zu Schnitt, ebenso sehr auf der Suche nach der ausdrucksstärksten Musik wie Michael und ich. Es ist, als ob man mit einer Lupe an ein Döschen voller Pailletten geht, die stimmigsten heraussucht und nach der Auswahl mit der Kamera zurückfährt. Wenn man Glück hat und geschickt war, hat man ein wunderbares Muster und erkennt nur noch vage, dass es aus einzelnen Pailletten gebildet ist. Wenn nicht, sieht das Ergebnis brüchig aus, heterogen und irgendwie unbefriedigend. Dann müssen die Pailletten zurück ins Döschen, die Lupe wieder her und Versuch Nummer zwei geht los.

Unsere Paillettensammlung ist das Rohmaterial von einer ganzen Aufnahmewoche. Das alles werden wir jetzt Stück für Stück hören und auswerten. Habt Geduld! Wir treffen uns wann immer es geht und kommen prima voran.



Dezember 2014



Leise rieselt der Schnee...und wir stehen mit dem Grundschnitt beim da Capo der letzten Arie! Jeder Studiotag vergeht wie im Flug, denn Manfred ist ein wahrer Engel. Er ist blitzschnell, aber hat eine ganz tiefe Ruhe, er arbeitet hochkonzentriert aber ist immer entspannt - und außerdem hat er immer Kekse und frischen Kaffee für uns :-) Davon brauchen wir auch in der Tat viel...

Paillette für Paillette, Kadenz für Kadenz, Arie für Arie entsteht unsere CD. Wie man bei einer so hochkonzentrierten Arbeit nebenher so viel lachen kann, kann ich selber nicht erklären, aber ich komme nach jedem Schnitttag mit il sol(e) nascente im Bauch nach Hause und freue mich immer noch mehr auf unsere schöne CD...! Bald ist sie fertig! :-)



April 2015



Ich hasse Musik. Völlig entnervt ziehe ich mich mit einer Tüte Gummibärchen gerade aus dem Studio zurück und will frische Luft schnappen gehen, da spielen die Jungs einen Take mit genau dem Leitton, den ich haben will. Über meine eigenen Füße falle ich rückwärts wieder rein ins Studio - und alles wird gut.

Durchatmen. Demut walten lassen. Weitermachen.

Was ist hier los? Wir stehen beim vorletzten Arbeitsschritt unserer Produktion: Dem Korrekturschnitt. Und der ist unter allen Schritten der für mich heftigste, denn er ist endgültig und er stellt uns so erbarmungslos vor die "Gretchenfrage" unseres Berufs: Kann ich der Kunst gerecht werden?
Hab ich wirklich alles dafür getan? Ist es gut, kann es so bleiben, oder nicht - oder fange ich an, mich hier zu verrennen?

Während bisher bei jedem Abschnitt (Vorbereitung, Aufnahmen, Grundschnitt) etwas Neues entstanden, etwas gewachsen ist, ist das Korrekturschneiden nun Arbeit in entgegengesetzter Fahrtrichtung: Wir sitzen hier mit dem Skalpell. Intonation, Vokale, Phrasierung, Agogik...alles kommt nun noch einmal einzeln unter die Lupe.

Jetzt kapiere ich, warum so viele Künstler ihre eigenen Aufnahmen niemals mitschneiden und vor der Veröffentlichung noch nicht mal gegenhören wollen. Erstens: Es ist nie gut genug. Zweitens: Es ist nie gut genug. Drittens: Es ist nie gut genug. (Viertens: Ich hasse Musik. ;-))
Ich möchte diesen Schritt nicht missen. Nicht nur, weil ich eigentlich Musik gar nicht hasse... Denn trotz allem ist es unbeschreiblich, zu erleben, wie jede Arie nun nach all der Arbeit endlich fertig wird. Jede entsteht in ihrer ganz eigenen Art. Manchmal ist mir fast, als ob wir es hier mit eigenständigen Wesen zu tun haben, die nun ein Gesicht bekommen, und erst dann die Augen aufschlagen, wenn sie sich damit wohlfühlen.

Ich spüre deutlicher als jemals zuvor, wie sehr ich mit den Arien verbunden bin, die ich hier interpretiert habe. Wenn man eine Partie interpretiert, die man sich selbst ausgesucht hat, ist das nie Zufall. Aber noch nie habe ich in dieser Intensität gespürt, wie viel es mir bedeutet, dass die Arien nicht nur gehört, sondern auch verstanden werden... 

Sonntag (12.04.2015) ist unsere Deadline, dann geben wir ab zum Mischen. Bis dahin gilt die alte Faustregel: Wenn der erste vom Stuhl kippt, ist Feierabend. (Zu diesem Thema hab ich meine ganz private Lösung gefunden, s. Foto... ;-))



Montag 13.04.2015, 0:55 Uhr



Jaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

:-))))))))))))))))))))))))))))))))))

Manfred bounced die CD, ich bounce dieweil wie ein Flummi durchs Studio und Micha bounced den Sekt in unsere drei Gläser. Und ich bin mir sicher, Siri bounced grade in der Cloud - er wollte keinen Sekt, wir haben ihn gefragt, aber gratuliert hat er trotzdem.

Bis ich zu Hause bin, ist es viertel vor vier. Ebenso übermüdet wie überglücklich bounce ich ins Bett.
Juhuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuu !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! --- Zzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzz.................



Und jetzt?



Mische, mische, Album baue. Nächste Woche mischen wir Probe, wenn nichts unerwartetes mehr unseren Plan zerbounced, sind wir quasissimo fertig. :-)



Juni 2015



Wir haben ihn :-) Da ist er, unser Klang!
Eine CD zu mischen kommt mir vor, wie manche Frauen morgens im Bad: Sie schminken sich eine gefühlte Ewigkeit lang, mit dem Ziel, dass es nachher so aussieht, als seien sie gar nicht geschminkt.
So ist mischen: Mit nur einem Knopf haben wir den Kölner Dom. Mit dem nächsten ist alles durchs Telefon gesungen. Mit dem dritten sitzt plötzlich das gesamte Orchester in der ersten Reihe.

Ich gestehe: Das ist nicht mein Ding, denn ich hab mir ja was dabei gedacht, so zu singen, wie ich es getan habe, und gleiches gilt für Michael und das Orchester. Wir haben so viel an den Feinheiten gearbeitet - nö, ich will keine Schminke.
So entscheiden wir dann auch, einhellig: Unsere CD soll natürlich klingen. Wir "schneiden die Spitzen" und sonst gar nichts. Wer mehr Hall haben möchte, kann sie ja in der Badewanne hören. Oder im Kölner Dom ;-)

Fertig gemischt packen wir alles ein und fahren zu Ulli Holst von Wachtmann Musikproduktion nach Hamburg. Er ist super! In seinem Studio richtet er uns das Surround-Klangbild ein, denn wir werden als SACD veröffentlichen. Bei ARS Produktion, im Herbst. Endlich.
Nach einem langen aber spannenden Tag tragen wir glücklich unsere Festplatten mit dem Ergebnis zurück ins Hotel und verbringen den Rest des Abends in einem anderen Genre - nennen wir es "Fusion", s. Foto :-)



Juli 2015



CD fertig. Booklet fertig. Nerven auch - EGAL: Jetzt geht die Sonne auf denn

!!! WIR SIND FERTIG !!!

Ich muss es glaub ich noch oft sagen, bis ich es selber begreife.

Was für eine schöne Reise. Und was für ein Glück ich habe, dass ich sie unternehmen konnte...und dass so wunderbare Menschen diese Reise mit mir gemacht haben... Ich bin glücklich! Und tief dankbar.

Und an dieser Stelle: Danke auch an EUCH, ihr fleißigen Leseratten!!!



Im Herbst erscheinen wir bei ARS Produktion (www.ars-produktion.de)
und bis dahin ist hier unsere Hörprobe für euch :-) (s.o.)



Ich hoffe - wir alle hoffen - dass ihr ganz viel Freude an unserer "Sol nascente" haben werdet! Sie kommt von Herzen :-)

Wenn sie euch gefällt: Empfehlt uns bitte weiter! Das ist das Beste, was ihr für uns tun könnt.



Ich wünsche euch allen allzeit die Sonne im Bauch und ein Leben voller Musik!



Eure Charlotte nascente :-)